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Integrierte Finanzstrategie

Nur wer alle Aspekte eines Unternehmens erfasst und miteinander verknüpft, kann auch bei unerwarteten Veränderungen kontrolliert handeln.

Wozu eine Finanzstrategie?

Viele Unternehmen verfügen über eine Vision und Mission, haben eine Strategie definiert und sind operativ gut aufgestellt. Das Geschäftsmodell funktioniert in der Regel weitestgehend im Rahmen der Planungen. Zunehmend sehen wir jedoch Risiken, Störfaktoren und rasche Veränderungen, welche Unternehmen oft unerwartet treffen. Aktuell kämpfen beispielsweise viele Firmen mit der zunehmenden Bürokratie und der Flut neuer Regulierungen. Aber auch kürzere Innovationszyklen und rasche Marktveränderungen stellen neue Herausforderungen dar. Auftretende Schwierigkeiten resultieren häufig in einer Kette von Folgereaktionen. Um das Gleichgewicht zwischen Rendite (risikogerechte Entschädigung), Liquidität (permanente Zahlungsbereitschaft) und Sicherheit (genügend Selbst- und Eigenfinanzierung) ausbalancieren zu können, benötigt ein Unternehmen eine auf die Strategie und die Eigentümerschaft abgestimmte Finanzstrategie.

Eine integrierte Finanzstrategie dient dazu, die finanzielle Sicherheit und Kontrolle zu gewährleisten. Sie sollte nicht einmalig erstellt werden, sondern laufend mit den anderen Themen wie Strategie, Geschäftsmodell und Risikomanagement abgestimmt werden.

Als anschauliches Beispiel kann eine Familienunternehmung dienen. So ist immer wieder der Fall anzutreffen, dass private und unternehmerische Interessen zu stark verflochten sind. Bei einem Todesfall oder einem Verkauf des Unternehmens müssen eine Vielzahl von Problemen gelöst werden. Auch Schwierigkeiten mit Vertragsparteien, wie beispielsweise eine längere Zahlungsverzögerung oder ein Ausfall einer grösseren Forderung, führen zu erheblichen finanziellen Schwierigkeiten.

Was sind die Elemente einer Finanzstrategie?

Nach unserer Interpretation beinhaltet die Finanzstrategie mindestens die folgenden acht Elemente:

1. Kapitalstruktur und Finanzierung (Sicherheit)

Das Ziel ist die optimale Höhe des Eigenkapitals zu ermitteln und entsprechend das Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdfinanzierung ausgewogen und sinnvoll auszugestalten. Damit werden die Stabilität und Sicherheit verstärkt. Die Finanzierung definiert die möglichen Finanzierungsquellen und Formen sowie die auf die Unternehmensstrategie abgestimmten Laufzeiten der Kapitalstruktur.

2. Investitionspolitik (Rendite)

Es werden die wesentlichen Grundsätze und Prozesse für Investitionen und Investitionsentscheidungen festgelegt, Make-or-Buy-Entscheidungen definiert, sowie Parameter zu Renditeerwartungen und Cash Flows ermittelt und bestimmt.

3. Bankenpolitik (Liquidität)

Aus den beiden ersten Elementen leiten wir die Bankenpolitik ab. Diese wird konsequent weiter entwickelt und an die Veränderungen angepasst. Vertragselemente und Covenants sind nur zwei mögliche Stolpersteine. Ein Überwachen und Verbessern des Ratings ist zentral.

4. Risikomanagement (Sicherheit und Rendite)

Das Risikomanagement ist ein wesentlicher Bestandteil sowohl der Strategie, der operativen Tätigkeit, als auch des Finanzmanagements. Auf jeden Fall ist es Sache der Eigentümer, des Verwaltungsrates und des Managements und kann nicht oder sollte nicht, an eine Stabsstelle delegiert werden.

5. Ausschüttungspolitik (Sicherheit und Liquidität)

Kann die Unternehmung die erwartete Rendite auf dem investierten Kapital erwirtschaften und generiert damit einen entsprechenden Free Cash Flow, stellt sich die Frage der Verwendung dieser Selbstfinanzierung. Weitere Investitionen und Wachstum? Thesaurierung oder Ausschüttung? Wie ist das Management und oberstes Führungsgremium langfristig am Erfolg gemessen und beteiligt? Es werden die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen für künftige Ausschüttungen definiert.

6. Treasury-Management (Sicherheit und Liquidität)

Das Management des Nettoumlaufvermögens ist je nach Lebenszyklus eines Unternehmens oder einer Investition unterschiedlich. Die permanente Zahlungsbereitschaft führt zur Stabilität. Dennoch sollte überschüssige Liquidität nicht unnötig auf Reserve gehalten werden.

7. M & A – Politik (Sicherheit und Rendite)

Sofern ein Unternehmen als Option die Übernahme von Unternehmen verfolgt, ist es auf jeden Fall empfehlenswert das Vorgehen und die Prozesse mit den einzelnen Phasen zu definieren. Ebenso sollte die Vorgehensweise der Integration im Voraus bestimmt werden oder zumindest Klarheit darüber bestehen.

8. Wertemanagement

Das Wertemanagement definiert die messbaren und zu messenden Wertesysteme wie Erfolgsfaktoren, Benchmarks, etc. Bis zum Beginn der Finanzkrise im 2008 waren die Steigerung des Shareholder Value noch stark im Vordergrund. Inzwischen sind auch nachhaltige Werte und Perspektiven wieder mehr in den Fokus geraten. Weitere Themen sind Transparenz, Unterstützung der Entscheidungsprozesse sowie Zusammenführung der Interessen von Eigentümerschaft und Management. Das Resultat ist ein ca. 6-10 Seiten umfassendes Dokument, welches die definierten Grundsätze festhält und als Arbeits- und Steuerungsinstrument dienen sollte.

Selbstverständlich ist die Aufzählung der Elemente einer Finanzstrategie nicht abschliessend. Je nach Geschäftsmodell, Grösse der Unternehmung sowie der Eigentümerstrukturen, sind weitere Elemente zu diskutieren.

Wie wird eine Finanzstrategie implementiert?

Analyse – Formulierung – Implementierung

Ausgehend von dem aktuellen Status einer Unternehmung und der entsprechenden Analyse des Lebenszyklus, der Eigentümer- und Finanzierungssituation, der Strategie und des Geschäftsmodells werden die einzelnen Elemente definiert und festgehalten. Anhand eines Massnahmenplanes werden dann einzelne Elemente entwickelt, Messgrössen definiert sowie Kontrollschritte eingeführt und zusammen mit dem Management implementiert. Am Ende ist es eine logische Zusammenführung von vielen Einzelthemen, welche in den Unternehmen in der Regel „irgendwie“ oder „mehr oder weniger ausgeprägt“ bereits vorhanden sind.

Der wesentliche Effekt durch die Einführung einer Finanzstrategie ist, dass die Zielkonflikte, welche zwischen Sicherheit, Rendite und Liquidität vorhanden sind, jederzeit auf die Unternehmensentwicklung abgestimmt werden können.

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